Kleintierzucht

 

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Remo Thalmann mit

seinen Holländer-Kaninchen

Zu dem komplexen Thema Kleintierzucht erlauben wir uns auf ein Interview mit  Gian Gross, dem Präsidenten des europäischen Verbandes für Kleintierzüchter zu verweisen:

Kleintierzüchter Gross: «Ich habe meine Tiere zum Fressen gern»

"Gion Gross sagt, er sei ein verhinderter Bauer. Weil er bei der Berufswahl dann auf eine Gärtnerlehre verzichten musste, wurde er Lehrer. Dafür züchtet er seit 35 Jahren Kleintiere. Und er hat kein Problem damit, seine Nutztiere zu essen.

Herr Gross, seit einer Woche sind Sie Präsident des Europäischen Verbands für Kleintierzüchter (Entente Européenne d’Aviculture et de uniculture, kurz: EE). Präsident also von 2,5 Millionen Verbandsmitgliedern und etwa 75 Millionen Kleintieren. Welche Aufgaben kommen auf Sie zu?

Gion Gross: Die EE hat die Aufgabe, sämtliche Kleintierorganisationen in Europa zu vernetzen. Ich als ihr Präsident bin für die Koordination zuständig. Zudem pflege ich den Kontakt zur Europäischen Union in Brüssel und engagiere mich im Tierschutz.

Wofür braucht es die EE?

Wenn es internationale Richtlinien für die Zucht von Kleintieren gibt, dann führt das dazu, dass die Tiere nicht übertypisiert werden. Darum versuchen wir, für jede Kleintier-Rasse einheitliche Richtlinien für die Zucht festzulegen. Diese entsprechen den tierschützerischen Anforderungen. Zudem leisten wir mit der Erhaltung von den verschiedenen Kleintier-Rassen einen grossen Beitrag zur Biodiversität sowie zum Erhalt genetischer Ressourcen und bäuerlichen Kulturgutes. Denn ohne die Arbeit der Kleintierzüchter wären viele wunderschöne Rassen bereits verloren gegangen.

Was tut die EE konkret gegen die Überzüchtung?

Ein Hahn mit einer imposanten Haube sieht zwar wunderbar aus, behindert das Tier aber nur, weil er dadurch kaum sehen kann. An einer Tierschau würde ein solcher Hahn schlechter bewertet als nicht übertypisierte, den Richtlinien entsprechende Tiere. Je weniger Punkte ein Tier an der Schau bekommt, umso weniger wertvoll ist es. Für die Kleintierzüchter ist es also erstrebenswert, sich möglichst an die Richtlinien zu halten.

Und was beinhalten diese Richtlinien?

Allgemein gesagt ist unser oberstes Credo die Gesundheit, Leistung und Schönheit des Tieres.

Was ist beispielsweise der Unterschied zwischen einem Rassenhuhn und einer Legehenne?

Legehühner werden über Generationen so gepaart, dass ihre Nachkommen möglichst viele Eier legen können. Bei Rassenhühnern stehen die Gesundheit und Schönheit des Tieres im Vordergrund. Ein Legehuhn ist in der Lage, 320 Eier pro Jahr zu legen. Dafür lebt es nur rund 15 Monate. Ein Rassenhuhn legt vielleicht maximal 250 Eier im Jahr. wird aber bis zu acht Jahre alt.

Was sind die grössten Herausforderungen für den Europäischen Verband der Kleintierzüchter?

In einigen Ländern werden die Tiere immer noch so gehalten, wie bei uns vor 50 Jahren. Zum Teil stehen mir an Tierschauen die Haare zu Berg, wenn ich sehe, wie Kollegen mit ihren Tieren umgehen. Unser Ziel ist es, vor Ort Aufklärungsarbeit zu leisten. Zudem möchte ich weitere Länder in die EE bringen und so die Zuchtrichtlinien möglichst auf ganz Europa ausdehnen.

Woher rührt Ihre Begeisterung für Kleintiere?

Hinter Hobbyzüchtern stecken oft verhinderte Bauern. Das ist bei mir nicht anders. Eigentlich wollte ich Bauer werden. Als Knabe verbrachte ich meine Ferien, so oft es ging, auf dem Bauernhof. Dort auszuhelfen war für mich das Grösste. Dann dachte ich, ich wolle Veterinär werden, wollte aber den Tieren nicht weh tun. Als ich auf die Lehrstelle als Gärtner hätte warten müssen, beschloss ich kurzerhand, das Lehrerseminar zu besuchen.

Dann zogen Sie nach Birmensdorf?

Ja, 1975 zog ich mit meiner Frau nach Birmensdorf. Kurz darauf wurde ich Präsident im Kleintierzüchterverein in Dietikon. Und dann ging es richtig los.

Wie meinen Sie das?

Ich deckte mein Zuhause mit verschiedensten Kleintieren ein. Ich hatte Truthühner, Enten, Gänse, Fasane, Steinhühner, Rebhühner, Perlhühner, Kaninchen, Tauben, Vögel . . .

. . . das klingt nach sehr viel Arbeit.

Ja, war es auch. Irgendwann musste ich auch einsehen, dass es zeitlich nicht mehr ging. Darum habe ich heute nur noch zwei Hähne und sieben Hühner von der Rasse der Zwerg-Welsumer. Momentan habe ich noch 19 Küken und bald schlüpfen noch mehr.

Was fasziniert Sie an Ihren Tieren?

Wenn ich meine Zwerg-Welsumer anschaue, bereiten sie mir Freude. Ich finde sie sehr hübsch und sie legen schöne, braune Eier.

Essen Sie Ihre Tiere?

Klar. Ich sage immer: Ich habe meine Tiere auch zum Fressen gern.

Tut Ihnen das nicht weh?

Sich von einem Tier zu trennen, tut immer weh. Ein Huhn ist für mich aber nach wie vor ein Nutztier. Ich gebe meinen Hühnern keine Namen, wie dem Büsi, das am Abend auf meinem Schoss sitzt. Obwohl ich alle meine Tiere gern habe, habe ich zu meinen Hühnern eine andere Beziehung als zu einer Katze. Das liegt an unserer Kultur. Bei uns ist es üblich, Katzen als Haustiere zu halten und Hühner zu essen. In anderen Ländern essen die Leute Tiere, die wir hier als Haustiere halten. Meerschweinchen zum Beispiel. Darum bin ich der Meinung, dass jeder, der Nutztiere züchtet, sich bewusst sein muss, dass Tiere auch geschlachtet werden müssen. Bei uns im Verband Kleintiere Schweiz geben wir auch Kurse, wie Hühnchen, Tauben oder Kaninchen zubereitet werden.

Was raten Sie Eltern, deren Kindern sich ein Kleintier wünschen?

Ich würde mit dem Kind an eine Tierschau gehen, um dort mit Züchtern zu sprechen. Oft gibt es die Möglichkeit, dass ein Kind einem Kleintierzüchter, der in der näheren Umgebung wohnt, helfen kann. So kann das Kind erste Erfahrungen mit den Tieren sammeln. Hat das Kind über längere Zeit Verantwortung wahrgenommen, kann man darüber diskutieren, ob es ein eigenes Tier bekommen soll.

Wieso hat der Mensch das Bedürfnis, Tiere zu halten?

Das ist eine schwierige Frage. Ich könnte mir vorstellen, dass es damit zu tun hat, dass der Mensch besitzen und beherrschen will. Ausserdem ist es schön, Streicheleinheiten zu geben und zu bekommen. Ich als Kleintierzüchter habe Freude am Tier, an seiner Kreatur. Ich liebe die züchterische Herausforderung, durch eine gezielte Auswahl von Tieren dem Idealbild näher zu kommen. Mich fasziniert die Möglichkeit, die Natur in einem bestimmten Rahmen zu beeinflussen."

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