Geflügel-Doktor

 

Federlinge

Federlinge sind Insekten, die sich an Hautschuppen und Federn unserer Vögel gütlich tun. Gerade unsere Unzertrennlichen werden oft von Federlingen geplagt. Die vier Millimeter langen Federfresser bekommt man selten zu Gesicht, ihre Frassspuren aber können vor allem als schwarzbraune Ränder an Flügel- und Bauchdeckfedern erkannt werden. Bei starkem Befall fühlen sich die Vögel nicht mehr wohl und werden unruhig. Das beschädigte Gefieder kann seine Funktion nicht mehr vollständig erfüllen.

Federmilben (Bild) sind kleine Parasiten

Sie leben symbiotisch mit dem Vogel und schaden diesem in der Regel nicht. Abbildung einer Federmilbe

 

Milben

Ein Milbenbefall im Geflügelstall sorgt bei den Hühnern für Unruhe, ein geschwächtes Immunsystem und reduzierte Leistungen – mit den entsprechenden wirtschaftlichen Einbussen. Gerade bei zunehmenden Temperaturen im Frühjahr ist wieder mit einer starken Vermehrung
dieser Parasiten zu rechnen. INDISPRON D 110® ist eine gebrauchsfertige, flüssige Dispersion auf Basis einer Kieselsäure. Die Dispersion
ist wesentlich einfacher auszubringen als die herkömmlichen, pulverförmigen Schädlingsbekämpfungsmittel und damit äusserst anwenderfreundlich.
Vorzugsweise wird das Akarizid aufgesprüht, kann jedoch auch mit einemPinsel oder Roller aufgetragen werden. INDISPRON D 110® wirkt auf die Roten Vogelmilben austrocknend. Durch die physikalische Wirkungsweise kann eine Resistenzbildung praktisch ausgeschlossen werden und es ist eine nachhaltige Vernichtung der Parasiten über eine ganze Legeperiode möglich. Dadurch fallen die aufwendigen Nachbehandlungen
weitgehend weg. Das Produkt ist ökologisch unbedenklich und kann problemlos in unbelegten und belegten Ställen eingesetzt
werden. INDISPRON D 110® kann durch die Halag Chemie AG bezogen werden. Die Halag produziert und vertreibt seit über 30 Jahren Reinigungs- und Desinfektionsmittel für die Ernährungswirtschaft. Im Bereich der Stallhygiene hat die Unternehmung im In- und Ausland eine führende Rolle eingenommen.

 

Salmonellen in Eiern und Geflügel:

Schweiz ist vorbildlich (lid) - Salmonellen sind in der deutschen Geflügelhaltung ein grosses Problem. In jeder sechsten deutschen Masthähnchenherde und in knapp einem Drittel der Legehennenbetriebe wies das deutsche Bundesinstitut für Risikoforschung Salmonellen nach, wie der Schweizer Tierschutz in einer Medienmitteilung schreibt. Dies zeige, dass deutsches Hähnchenfleisch eine bedeutende Quelle für Lebensmittelinfektionen darstellen könne. Besorgniserregend sei ferner, dass ein Teil der Salmonellen-Stämme bereits Resistenzen gegen Antibiotika entwickelt habe. Auch in anderen EU-Ländern sind im Schnitt ein Drittel der Legehennenherden mit Salmonellen verseucht.
 
 Auf Schweizer Betriebe hingegen seien Salmonellen praktisch kein Problem. Im Jahr 2005 habe es nur acht Fälle gegeben, was 0,5 Prozent von 1'632 überwachten Betrieben entspreche. Angesichts der grossen unterschiede zwischen Schweiz und EU sei es unverständlich, dass die Schweizer Veterinärbehörden bezüglich Tiergesundheit von "Gleichwertigkeit" zwischen der Schweiz und der EU sprächen, heisst es weiter.

 

 

Interessantes:

  • Neue Zürcher Zeitung NZZ

Halb männlich, halb weiblich !

Bei Hühnern bestimmt jede einzelne Zelle über ihre sexuelle Identität

Ein natürlicher Gynander – links Henne, rechts Hahn. (Bild: University of Edinburgh)

Ein natürlicher Gynander – links Henne, rechts Hahn.

Ein natürlicher Gynander – links Henne, rechts Hahn. (Bild: University of Edinburgh)

Hormone entscheiden beim Menschen massgeblich über ein männliches oder weibliches Aussehen. Bei Vögeln ist dies weitgehend zellautonom geregelt.

Lena Stallmach

Hormone sind mächtig: Sie bringen Teenager um den Verstand, Schwangere zum Weinen und machen Männer noch männlicher. Ausserdem beeinflussen sie, ob Menschen und andere Säugetiere weiblich oder männlich aussehen. Lange Zeit dachte man, dass alle körperlichen und das Verhalten betreffenden Geschlechtsunterschiede bei Säugetieren, aber auch bei Vögeln hauptsächlich durch Hormone bestimmt werden. Doch nun demonstriert ein seltsam aussehendes Huhn, dass die Geschlechtsidentität der Zelle bei Vögeln eine grössere Rolle spielt.

Eine Laune der Natur

Die generellen Prinzipien der Geschlechtsentwicklung wurden im Laufe des letzten Jahrhunderts entdeckt. Sie besagen, dass männliche und weibliche Zellen ursprünglich geschlechtlich neutral sind. Die Unterschiede werden erst durch das Geschlecht der Keimdrüsen, also Hoden und Eierstöcke, geprägt, welche die männlichen und weiblichen Hormone produzieren. Das Geschlecht der Keimdrüsen ist dagegen genetisch festgelegt, und zwar durch das Vorhandensein des Y-Chromosoms beim Mann. Auf diesem liegt das geschlechtsbestimmende SRY-Gen, welches die Entwicklung des Hodens auslöst. Bei Männern, die dieses Gen verloren haben, werden Eierstöcke angelegt, und Frauen, die das Gen wegen eines genetischen Fehlers tragen, bilden Hoden aus. Die dann produzierten Hormone führen zu Geschlechtsunterschieden in der Körperbehaarung, Brustentwicklung und der Anatomie des Gehirns sowie im Verhalten.

Bei Vögeln und Insekten ist dies anders geregelt. Deshalb kommt es – allerdings nur selten – zu sehr bizarren Erscheinungen: den Gynandern. Aus einer Laune der Natur sind sie auf der einen Seite des Körpers männlich, auf der anderen weiblich. Eine mögliche Ursache dafür ist der Verlust eines Geschlechtschromosoms. Nun konnten Forscher unter der Leitung von Michael Clinton vom Roslin-Institut der University of Edinburgh nachweisen, dass die Zellen gynandromorpher Hühner komplette weibliche und männliche Chromosomensätze enthalten. Auf der einen Seite dominieren weibliche Zellen, auf der anderen männliche. Ungeachtet der ausgeschütteten Hormone behalten die meisten Körperzellen aber ihre Geschlechtsidentität bei, was sich in der Farbe der Federn, der Grösse der Kehllappen und Brustmuskulatur bemerkbar macht (siehe Bild).

Bei Menschen sei das Bild ganz anders, sagt der Projektleiter Clinton. Ganz selten gebe es auch menschliche Gynander, ihnen sehe man aber praktisch nichts an. Sie seien entweder männlich oder weiblich. Je nachdem, welches Gewebe in den Keimdrüsen dominiert, werden nämlich männliche oder weibliche Hormone produziert, und dies entscheidet alles weitere. Bei Vögeln scheint die genetische Ausstattung der Zelle dagegen eine grössere Rolle zu spielen als die Hormone, die Geschlechtsdifferenzierung ist weitgehend zellautonom. Es sei nicht die erste Studie, die hierauf hinweise, sagt Monica Zwicky von der Universität Zürich, doch seien andere Befunde wenig beachtet worden. Bereits im Jahr 2003 untersuchte Arthur Arnold von der University of California in Los Angeles einen Zebrafinken-Gynander. Er konzentrierte sich auf die Geschlechtsunterschiede im Gehirn, welche bei diesen Vögeln besonders ausgeprägt sind. Nur die Männchen können nämlich singen und bilden die dafür benötigten Gehirnstrukturen aus.

Arnold ging damals auch davon aus, dass es sich bei seinem Gynander um eine Mischung von echten weiblichen und männlichen Zellen handelte, er wies dies aber nur indirekt nach. Da der Hormonspiegel im ganzen Tier gleich war, sollten allfällige Unterschiede im Gehirn zellautonom, also durch die Geschlechtsidentität der Zellen geprägt sein. Seine Untersuchungen ergaben, dass sowohl auf der männlichen als auch auf der weiblichen Seite des Vogels Gesangsstrukturen angelegt waren. Auf der weiblichen Seite waren sie aber deutlich kleiner. Demnach braucht es für die geschlechtsspezifische Gehirnentwicklung bei Vögeln beides: die richtigen Hormone und die dazugehörige chromosomale Ausstattung. Mehrere Studien aus den letzten Jahren weisen darauf hin, dass auch bei Säugetieren die Hormone nicht alles bestimmen. So werden im Gehirn von Mäusen bereits vor der Ausbildung der Keimzellen – also vor dem Einfluss der Hormone – je nach Geschlecht andere Gene abgelesen. Offenbar führen solche genetisch bedingten Unterschiede auch zu unterschiedlichen Verhaltensweisen. So zeigte eine Studie, dass das aggressive Gebaren männlicher Mäuse gegenüber anderen Männchen nicht wie angenommen nur durch das Hormon Testosteron gefördert wird, sondern auch davon abhängig ist, ob die Tiere männliche Geschlechtschromosomen besitzen.

Dies konnten die Forscher feststellen, indem sie Mäuse verwendeten, die speziell für diese Fragestellung «hergestellt» wurden. Diese tragen das SRY-Gen, welches auch bei Mäusen geschlechtsbestimmend ist, nicht auf dem Geschlechts-, sondern auf einem anderen Chromosom. Dadurch konnten XX- und XY-Männchen mit dem SRY-Gen und XX- sowie XY-Weibchen ohne das Gen gezüchtet werden. Weitere Studien mit solchen Mäusen weisen darauf hin, dass auch das Schmerzempfinden und die Anfälligkeit für bestimmte Krankheiten wie Neuralrohrdefekte oder multiple Sklerose durch die Geschlechtsidentität der Zellen beeinflusst werden.

Zell-Identität und Krankheit

Auch beim Menschen wäre es nicht erstaunlich, wenn das Geschlecht der Zelle zu Unterschieden zwischen Mann und Frau führen würde, schliesslich verfügten sie über unterschiedliche Gen-Sätze, sagt Zwicky. Es ist schon lange bekannt, dass erhebliche Unterschiede im Gewebe und in den Organen von Männern und Frauen bestehen. Viele seien auf Hormone zurückzuführen, sagt Arnold, die genetische Ausstattung der Zelle spiele aber auch eine Rolle. Diese sei in der Forschung bisher vernachlässigt worden. Gerade wenn es aber um Krankheiten gehe, die bei Männern und Frauen unterschiedlich oft aufträten, sei es wichtig zu unterscheiden, ob dies aufgrund von Hormonen oder der Genetik so sei. Wenn die seltsamen Hühner mit ihrem extravaganten Aussehen auf dieses Problem aufmerksam machten, sei dies ein grosses Verdienst.