Gefahren für Vögel

Das Verstummen der Natur

Der stumme Frühling ("Silent spring"), so lautet der Titel des  wissenschaftlichen Bestsellers von Rachel Carsson von 1962, die mit diesem Buch das Massensterben der Vögel als Folge des grossflächigen Einsatzes von DDT publik machte. Damals kam es in der Folge zu einem Verbot dieses Insektizids in der Landwirtschaft. Trotz dieses schwer erkämpften Erfolges ist es seither eher noch leiser geworden und die Gefahr eines stummen Frühlings rückt immer näher. So ist bezeichnenderweise gerade ein weiteres wichtiges Buch erschienen mit dem Titel "Das Verstummen der Natur" von Volker Anges und Claus Peter Hutter, Ludwig Verlag, Untertitel: Das unheimliche Verschwinden der Insekten, Vögel, Pflanzen - und wie wir es noch aufhalten können. Hier findet man einen detaillierten und fundierten Überblick über die aktuellen Probleme und konkrete Vorschläge zu Lösungsmöglichkeiten, auf allen Ebenen.

Aktuelle Studien gehen davon aus, dass  in den letzen 40 Jahren der Weltvogelbestand an Singvögeln um etwa die Hälfte abgenommen hat. Erwartet wird von den Forschern eine weitere Abnahme um  25 % im Laufe der nächsten 20 Jahre. Neben dem  Einsatz von modernen Insektiziden, wie etwa die Neonikotinoide (allgemeines Insektensterben), bedrohen der zunehmende Lichtsmog (Desorientierung), hohe Lärmemissionen (Männchen finden keinen Partner oder können ihr Revier nicht verteidigen)), spiegelnde Glassfassaden (hunderte Millionen Vögel weltweit), die europaweit verbotene Vogeljagd (Riesige Fangnetze auf den Flugrouten, Delikatesse in vielen europäischen Ländern, obwohl sie längst auf der Liste der aussterbenden Arten stehen), fehlende Lebensräume (intensivierte Land- und Forstwirtschaft, Überbauung) und der schnelle Klimawandel (Die Anpassungsreaktionen der Populationen sind häufig zu langsam) den weltweiten Bestand. Besonders die Langstreckenzieher und die Insektenfresser sind gefährdet. Aber auch die sogenannten Allerweltsvögel (Generalisten) nehmen in ihrem Bestand kontinuierlich ab.             Kurzzusammenfassung aus "Singvögel in Not", Arte 2015 

 

1. " Industrialisierte Landwirtschaft"

Probleme: Produktionsmethoden, Nitrateintrag in Wasser und Luft, Pestizideinsatz

"Drastische Verluste bei den Vögeln des Kulturlandes"

... Die grössten Veränderungen in der Vogelwelt seit den Fünfzigerjahren haben im Flachland stattgefunden. Die landwirtschaftliche Intensivierung trug massgeblich dazu bei... Dieser Trend hat sich in den letzten 20 Jahren fortgesetzt und mittlerweile insbesondere auch die mittleren und höheren Lagen erfasst. ... Seit 25 Jahren werden für ökologische Leistungen in der Landwirtschaft namhafte Beiträge bezahlt. Welche Vogelarten im Kulturland zu fördern sind, hat der Bund in den "Umweltzielen Landwirtschaft" (UZL) festgelegt. Deren Index sank von 100% 1990 auf 42% 2016.


"Das Schweigen der Vögel" DOK SRF

Der (Brutvogel-) Atlas  2013-2016 belegt, dass heute grossflächig weniger UZL-Arten zu finden sind, als noch vor 20 Jahren. Und dort wo die aktuellen Verluste gering sind, waren schon 1993-96 nur noch wenige Kulturlandarten vorhanden.  ...Mit den getroffenen Massnahmen ist somit nicht einmal eine Verlangsamung der der (Arten-) Veramung erreicht worden. Positive Beispiele an verschiedenen Orten zeigen aber, dass mit den vorhandenen Instrumenten eine solche Förderung machbar wäre. Das dies flächig nicht der Fall ist, liegt daran, dass zu wenig Gewicht auf hochwertige Biodiversitätsförderflächen-Typen, wie wie Buntbrachen gelegt wird und dass die Vernetzungsprojekte zu wenig auf die Bedürfnisse der Zielarten ausgerichtet sind. Quelle: "Schweizer Brutvogelatlas 2013-2016" von 2018 Seite 8-9

2. "Vogelschlag" 

Probleme: Spiegelnde, dursichtige oder beleuchtete Flächen

https://vogelglas.vogelwarte.ch/assets/images/vogelsicht/sonnenschutzglaeser.jpg

Der Tod an Scheiben ist heute eines der grössten Vogelschutzprobleme überhaupt. Hunderttausende von Vögeln kommen allein in unserem Land jedes Jahr um, weil sie mit Glas kollidieren. Viele Gebäude könnten vogelfreundlicher gebaut, viele Fallen entschärft werden. Vögel können Hindernisse in ihren Lebensräumen leicht umfliegen.Aber auf unsichtbare Hindernisse wie Glasscheiben sind sie nicht vorbereitet. Die Gefahr einer Kollision ist heute enorm gross. Nach verschiedenen Untersuchungen ist pro Jahr und Gebäude mit mindestens einem Todesopfer zu rechnen, vermutlich mit wesentlich mehr, denn die Dunkelziffer ist sehr hoch. Oft kommt es selbst an Orten zu Kollisionen, wo man eigentlich nicht damit rechnen würde. Auch wenn Vögel nach einem Aufprall unverletzt scheinen, so geht dennoch jeder zweite später an inneren Verletzungen ein. Betroffen sind fast alle Vogelgruppen, darunter auch seltene und bedrohte Arten. Quelle: Vogelwarte Sempach

Lösungen: Vögel und Glas Superseite!

 3. Lichtsmog

 

 
   
   

4. Freilaufende Hauskatzen

"Die grosse Anzahl an freilaufenden Katzen weltweit sind nach der Landwirtschaft das grösste Übel in Hinblick auf die Bedrohung der Artenvielfalt. ... Die Weltnaturschutzbehörde (IUCN) erklärt die Hauskatze zu den 100 gefährlichsten invasiven Feinden der Artenvielfalt in der Welt." Peter Berthold

Vögel und andere Kleintiere sind Wildtiere und offiziell geschützt!

  Jeder Katzenbesitzer muss eigentlich dafür sorgen dass seine Katze keinen Vogel tötet.

 

Empfehlungen der Vogelwarte Sempach!

 

Bild rechts:

März 2019, Zell:

Ein weissterniges Blaukehlchen auf dem Durchzug

wurde von einer Katze erlegt.

(5-12 Brutpaare in der Schweiz)

 

 

Zustand Biodiversität Schweiz 2014.PDF